Für Depressive da sein

In diesem Eintrag möchte ich darüber schreiben, was man als Freund, Partner, Familienmitglied oder auch Bekannter, in Beziehung zu einem depressiven Menschen stehend, beachten kann. Die Tipps sind sehr individuell und teils subjektiv betrachtet. Sie sind nicht pauschal geltend, jedoch freue ich mich, wenn jemand sie als hilfreich erachtet oder zumindest die ein oder andere Anregung mitnimmt.

Los geht’s:

  • Kontakt aufrecht erhalten

Ich beginne bewusst mit diesem Stichpunkt. Ich denke, er ist im Bezug auf den Erhalt oder die Entwicklung der jeweiligen Beziehung, in der ihr zu dem depressiven Menschen steht, essentiell. Oft fällt es depressiven schwer, auszudrücken, dass sie dich sehen wollen. Manchmal ist es sogar schon eine Hürde, sich bei dir zu melden. Der Grund ist aber nicht, dass die Person dich nicht gerne hat oder dich nicht in ihrem Leben möchte. Sondern, dass sie sich am liebsten nur noch abkapseln mag – von allem. Sei es aufgrund dessen, dass sie keinen Antrieb hat, sich unwohl fühlt oder sich schämt. Es gibt sehr viele Dinge, die einen depressiven Menschen davon abbringen oder gar vergessen lassen, dass es fürsorgliche Menschen gibt, die sich um ihn sorgen. Wichtig ist hierbei, dass du dich davon nicht verunsichern lässt. Bleib dran und frag auch noch ein zweites, drittes oder viertes Mal nach. Dir fällt es vielleicht gerade leichter. Dabei möchte ich erwähnen, dass es sein kann, dass ein depressiver Mensch vermehrt Zeit für sich selber in Anspruch nimmt. Womit wir zu meinem nächsten Punkt kommen.

  • Freiraum geben

In Bezug zu Punkt eins mag das jetzt kontrovers klingen. Für jemanden, der sich in einer depressiven Episode befindet, kann es extrem anstrengend sein, ganz alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Möglicherweise kostet es den Menschen enorme Mühen, die Tage zu überstehen. Da ist es wichtig, zu erkennen, wann die Person lieber für sich sein möchte. Wenn man dann zu hartnäckig versucht, sie aus der Reserve zu locken und beispielsweise zu einem Treffen überredet, kann sich bei dem Menschen ein extremer Druck aufbauen. Vielleicht könnten sich nun auch Schuldgefühle entwickeln. Es ist wichtig, feinfühlig an die Sache heranzugehen und zu erkennen, wann es der Person nur an leichtem Antrieb mangelt oder wann sie wirklich für sich sein möchte und sie deinen Freiraum benötigt.

  • Mitgefühl artikulieren

Vielleicht kannst du dich nicht so gut in eine depressive Person hineinversetzen, weil du selbst nicht an einer Depression erkrankt warst oder bist. Das ist auch gar kein Hindernis. Ich denke, jeder von uns kennt Phasen an denen es einem ähnlich erging. Wo man an einem Punkt stand, an dem man zunächst nicht mehr weiter wusste. Als man sich selbst nicht richtig lieb hatte. An dem man Trauer und Schmerz empfand. Oder den Sinn des Lebens in Frage gestellt hat. Ein Teil von dir kann durchaus nachempfinden, wie es sein kann, depressiv zu sein. Für eine erkrankte Person ist es schön, zu wissen, dass sie nicht alleine ist mit ihren Sorgen und Zweifeln. Dass du dich in ihre Lage einfühlen kannst und dir eingestehst, dass bei dir auch nicht immer alles rund läuft. Dass auch ein „gesunder“ Mensch schwache Momente kennt.

  • Nicht scheuen nachzufragen

Im Gespräch mit einem Menschen, dem es psychisch nicht so gut geht, scheut man sich manchmal davor, Fragen zu stellen. Man stellt sich vor, dass die Person nicht darüber sprechen möchte oder vielleicht hat man auch selber Angst davor etwas unpassendes zu sagen. Ich denke, vielen Erkrankten tut es sehr gut, über ihre Krankheit zu sprechen und sich im Dialog mit anderen auszutauschen.

  • Hilfestellung

Dieser Punkt geht mit dem vorherigen Punkt einher. Da es in einer depressiven Episode oft an Antrieb und Durchhaltevermögen mangelt, kann es gut sein, wenn man als Angehöriger versucht, Hilfe zu leisten. Beispielsweise kann man der betroffenen Person bei dem Vereinbaren von Arztterminen helfen, sie bei Behördengängen begleiten und unterstützen. Motivierende Worte aussprechen und neue Wege aufzeigen.

  • Sich informieren

Was sehr hilfreich für beide Partien, den Erkrankten und den Angehörigen, sein kann, ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit. Es gibt sehr gute Fachliteratur, Artikel und Videos im Internet, Filme und auch Hilfestellen, an die man sich wenden kann. Das schafft eine Wissensgrundlage, die es einem auch als außenstehendem ermöglichen, sich am Heilungsprozess zu beteiligen und etwaige Schwierigkeiten zu überwinden.

Denkt immer daran, auch eure Gesundheit zählt. Wenn ihr euch überfordert oder zu sehr eingenommen von einem erkrankten Menschen fühlt, sprecht das aus. Es gibt Hilfe die man in Anspruch nehmen kann.
Dazu zählen: Ärzte, Psychiater und Psychologen, sozialpsychiatrische Dienste des Landkreises und unabhängige Hilfestellen in eurer Umgebung. Auch Selbsthilfegruppen können für Angehörige eine Möglichkeit sein.

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